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Schrot&Korn 2/2000 (Leo Frühschütz)
(Quelle: http://www.naturkost.de/2000/sk0002e4.htm)
Bratfette: Ungehärtet, aber
hitzefest
Wer Gemüsebratlinge oder ein Steak
vom Bio-Rind scharf anbraten will, braucht ein Fett, das hohe
Temperaturen aushält. Das gibt es auch in Bio-Qualität.
Sogar Pommes für die Kinder lassen sich damit frittieren.
Werden naturbelassene Öle oder
Fette beim Braten und Frittieren auf 150 Grad und mehr erhitzt,
können schnell Rauchschwaden durch die Küche ziehen.
Denn die Wenigsten von ihnen vertragen so hohe Temperaturen.
Verantwortlich dafür sind Fettbegleitstoffe, die gerade
in nicht raffinierten Pflanzenölen in großen Mengen
vorkommen. Sie werden durch zu große Hitze zerstört,
dabei kann das gesundheitsschädliche Acrolein entstehen.
Auch die wertvollen mehrfach ungesättigten Fettsäuren
sind nicht sehr temperaturstabil. Ein gutes Bratfett besteht
deshalb vor allem aus Ölsäure - einer einfach ungesättigten
Fettsäure - oder aus gesättigten Fettsäuren. Letztere
sind zwar ernährungsphysiologisch nicht optimal, aber dafür
am Hitzebeständigsten. Außerdem muss ein hitzefestes
Bratfett mit Hilfe von Wasserdampf und Wärme von den erwähnten
Begleitstoffen teilweise gereinigt werden.
Die Hersteller konzentrieren sich auf
Ölpflanzen, die von Natur aus eine geeignete Fettsäuremischung
aufweisen. Das sind die Ölpalme, die Kokospalme und, als
heimische Alternative, eine für den speziellen Zweck gezüchtete
Sonnenblumensorte. Relativ hitzefest ist auch Olivenöl,
da hier die Ölsäure etwa Dreiviertel des Fettsäuregehaltes
ausmacht. Doch zum Braten ist es wegen seines starken Eigengeschmacks
nicht in allen Fällen geeignet. Außerdem zersetzen
sich ab 140 Grad einige Inhaltsstoffe des Olivenöls, etwa
das Chlorophyll.
Auf natürlichem Weg (also garantiert
ohne Gentechnik) wurden in den letzten Jahren sogenannte High
Oleic-Sorten gezüchtet. Bei ihnen liegt der Ölsäureanteil
bei 70 bis 80 statt wie üblich bei 25 Prozent. 1996 brachte
Byodo erstmals ein solches Öl in Bio-Qualität auf den
Markt, inzwischen gibt es drei Anbieter. Sie alle weisen darauf
hin, dass ihre Produkte frittiertauglich sind und Temperaturen
von 200 bis 210 Grad vertragen. Ein ökologischer Vorteil
ist der mögliche regionale Anbau der Sonnenblumen.
Bei der Pressung verzichten Bio-Hersteller
auf chemische Lösungsmittel wie Hexan zur Erhöhung
der Ausbeute. Im Gegensatz zu den kaltgepressten Sonnenblumenölen
werden die Früchte bei Palm- und Kokosfett auf 140 bzw.
100 Grad erwärmt. Tabu sind das Raffinieren des Öls
durch Laugen, Säuren, Bleicherde oder chemische Verfahren
sowie das Härten und Umestern. Gemäß den Bio-Richtlinien
dürfen Sonnenblumen-, Palm- und Kokosöl aber gedämpft
und desodoriert werden, weil es dazu bisher keine technische
Alternative gibt. Mit Hilfe von Wasserdampf entfernt man Geruchs-
und Geschmacksstoffe aus dem Öl, um den Eigengeschmack zu
vermindern und das Produkt temperaturbeständiger zu machen.
Gleichzeitig verbessert sich die Haltbarkeit, weil die freien
Fettsäuren, die das Öl schnell ranzig werden lassen,
ebenfalls ausgetrieben werden.
Dämpfen und Desodorieren unterscheiden
sich durch den Hitzegrad. Die Temperaturen beim Dämpfen
dürfen maximal 160 Grad betragen. Beim Desodorieren reichen
sie von 180 bis 225 Grad. Dabei werden auch einige wertvolle
Inhaltsstoffe verringert, etwa Vitamin E. Die angebotenen Palm-
und Kokosfette werden alle desodoriert. Von den Sonnenblumenölen
wird das Back- & Bratöl der Davert Mühle bei 180
bis 200 Grad desodoriert, die anderen Öle werden nach Angaben
der Hersteller nur gedämpft. Auf dem Etikett ist das Dämpfen/Desodorieren
nicht immer angegeben. Byodo und Davert Mühle deklarieren
die Desodorierung. Nennt sich ein Fett oder Öl "nicht
raffiniert" darf es nach dem deutschen Lebensmittelbuch
nicht desodoriert sein. Der Begriff "nativ" schließt
auch das Dämpfen und das Vorwärmen von Rohware aus.
Ein Problem kann bei diesen Temperaturen,
egal ob bei der Herstellung oder beim Braten und Frittieren,
die Entstehung von Transfettsäuren sein. Das sind durch
Hitze oder Chemie veränderte ungesättigte Fettsäuren,
die sich noch negativer auf den Cholesterinspiegel auswirken
als gesättigte Fettsäuren. Laut einer Untersuchung
der Münchner Universitäts-Kinderklinik stören
Transfettsäuren zudem den Stoffwechsel bei Embryos und beeinflussen
deren Nervenwachstum und Gewicht negativ. Umstritten ist, ab
welchen Temperaturen sich diese Stoffe bilden. Die Angaben gehen
von 170 bis 250 Grad. Um das Risiko von Transfettsäuren
im Produkt zu minimieren, setzen alle Hersteller auf Qualitätssicherung
und lassen die einzelnen Chargen untersuchen. Transfettsäuren
seien dabei nicht nachgewiesen worden, heißt es unisono.
Die Messgenauigkeit liegt dabei in der Größenordnung
von einem Promille.
Bei Kokosfett ist die Gefahr, dass
bei Hitze Transfettsäuren entstehen, gering, da es fast
nur gesättigte Fettsäuren enthält. Diese wandeln
sich zwar nicht um, sind aber für den Cholesterinspiegel
im Gegensatz zur einfach ungesättigten Ölsäure
nicht gerade vorteilhaft.Wer sicher gehen will dass sich keine
Transfettsäuren bilden, darf Bratpfanne oder Fritteuse nicht
zu stark aufheizen. Nach dem Frittieren sollte man das noch flüssige
Fett durch einen Kaffeefilter gießen, um die groben Verunreinigungen
zu entfernen, es abkühlen lassen und in einem verschlossenen
Gefäß in den Kühlschrank stellen. So kann es
mehrmals verwendet und zwei bis drei Monate gelagert werden.
Beginnt das Fett zu riechen oder wird es durch die Verunreinigungen
langsam bräunlich, ist es Zeit für die Entsorgung.
Wo es Sammelstellen gibt, kann man das Fett zur Wiederverwertung
abgeben, ansonsten gehört es in die Restmülltonne.
Wie viel Transfettsäuren sind
ungesund?
Welche Konzentrationen an Transfettsäuren
schädlich sind, wird unterschiedlich bewertet. "Landkrone
hat sich für die Qualitätssicherung den Höchstwert
ein Prozent gesetzt, der aber nie erreicht wird", so Heide
Koch. Dasselbe gilt für Naturata.
Die Zeitschrift Ökotest wertet
Frittierfette und Margarinen als "nicht empfehlenswert",
die mehr als fünf Prozent Transfettsäuren enthalten.
Die Schweizer Lebensmittelüberwachung fordert einen Grenzwert
von 1,25 Prozent für Öle und von 0,5 Prozent für
Kindernahrung. Weit über solchen Werten liegen laut Ökotest
eine ganze Reihe konventioneller Frittierfette. Denn sie werden
ganz oder teilweise chemisch gehärtet - ein Verarbeitungsschritt,
der Bio-Herstellern verboten ist. Das Härten birgt erheblich
höhere Risiken als das Dämpfen, die Werte liegen oft
weit über fünf Prozent.
Bratfette und Öle im Naturkosthandel
|
Anbieter |
Bezeichnung |
Zutaten/Verarbeitung |
Verpackung |
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Byodo |
Bratöl |
Sonnenblumenkerne high oleic aus Deutschland,
gedämpft |
0,75 l, brauneGlasflasche |
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Davert Mühle |
Back- & Bratöl |
Sonnenblumenkerne high oleic aus Deutschland,
desodoriert |
0,75 l, braune Glasflasche |
|
Landkrone |
Bio-Pfanne Bratöl |
Sonnenblumenkerne high oleic, z. Zt. aus
Ungarn, gedämpft |
0,5 l braune Glasflasche |
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